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Anatomie
Unter Anatomie versteht man die "Lehre vom Aufbau des Organismus". Der ChamÀleonkörper gleicht in vielen Punkten anderen Reptilien. Hier sollen die wichtigsten Unterschiede zwischen ChamÀleon, anderen Reptilien und SÀugern erklÀrt werden.
Haut
Wie bei allen Tieren besteht die Haut der ChamĂ€leons aus drei Schichten: Ober-, Leder- und Unterhaut. Die Oberhaut bildet mit ihrer keratinisierten Ă€uĂersten Zellschicht die typischen Schuppen. Sie ist eine Ă€uĂerliche Schutzbarriere vor Verletzungen und Feuchtigkeitsverlust und dient gleichzeitig mit dem Farbwechsel der Kommunikation. WĂ€chst das ChamĂ€leon, so muss es von Zeit zu Zeit die oberste Hautschicht abstreifen, da diese nicht mitwĂ€chst â das Tier hĂ€utet sich. ChamĂ€leons hĂ€uten sich in der Regel in Fetzen innerhalb weniger Stunden. Bei Ă€lteren Tieren kann es passieren, dass sich einzelne Körperpartien unabhĂ€ngig voneinander hĂ€uten.
ChamĂ€leons wachsen ein Leben lang, d.h. sie hĂ€uten sich auch lebenslĂ€nglich immer wieder. Die AbstĂ€nde zwischen den HĂ€utungen vergröĂern sich jedoch mit steigendem Alter. Eine bevorstehende HĂ€utung erkennt man meist an trĂŒber werdenden Farben, einige Tiere stellen auch kurzzeitig das Fressen ein.
Kopf
Am Kopf der ChamĂ€leons befinden sich diverse knöcherne KĂ€mme. Zwei seitliche KĂ€mme reichen von der Nasenspitze bis ĂŒber die Augen und sind meist mit dickeren Schuppen besetzt.
ZĂ€hne
ChamĂ€leons sind akrodont, das heiĂt die ZĂ€hne sitzen senkrecht auf dem Kieferknochen. Sie werden nicht gewechselt, sondern bleiben ein Leben lang.
Zungenschuss
Sinne
Geruchssinn
Geruchsempfindliches Epithel ist bei Echsen in Nase und dem Jacobsonâschen Organ (auch Vomeronasal-Organ) im Gaumen vorhanden. Es wird vermutet, dass durch das âAbtastenâ von Ăsten mit der Zunge Geruchspartikel dem Jacbosonâschen Organ besser prĂ€sentiert werden können. Allerdings ist nachgewiesen, dass das Jacobsonâsche Organ bei ChamĂ€leons im Gegensatz zu z.B. Schlangen eher schlecht entwickelt ist. Der Geruchssinn scheint daher eine geringe Rolle zu spielen.
Geschmackssinn
Geschmacksknospen befinden sich bei Echsen unter und seitlich der Zunge.
Augen
Gehör und Gleichgewicht
ChamĂ€leons verfĂŒgen genau wie SĂ€uger ĂŒber Gleichgewichts- und Drehsinn sowie ein Gehör. Ein AuĂenohr mit Trommelfell ist nicht zu finden, nichtsdestotrotz können die Tiere wohl sehr laute und niederfrequente GerĂ€usche um 200 Hz wahrnehmen. Sie reagieren auĂerdem stark auf Vibrationen.
SalzdrĂŒsen
Die Nase der ChamĂ€leons verfĂŒgt ĂŒber SalzdrĂŒsen, ĂŒber die ĂŒberschĂŒssige Mineralien in kristalliner Form ausgeschieden werden können. Vor allem sind dies Kalium und Natrium. Durch die Ausscheidungen der Salze kann das Tier Wasser sparen.
Brust- und Bauchraum
ChamĂ€leons haben kein Zwerchfell, so dass Bauch- und Brustraum nicht voneinander getrennt sind, sondern ineinander ĂŒbergehen. Des Weiteren reichen die Rippen nicht nur ĂŒber die Brustwirbel, sondern fast bis zum Kreuzbein. Ale Rippen sind ĂŒber knorpelige FortsĂ€tze miteinander und mit dem Brustbein verbunden.
Atemtrakt
Luftröhre
Die Luftröhre bei ChamĂ€leons weist unvollstĂ€ndig geschlossene Knorpelspangen auf. Sie teilt sich erst auf Höhe des Herzens in die beiden Hauptbronchien auf. Einige ChamĂ€leons (old world chameleons) haben einen zusĂ€tzlichen Lungenlappen im Bereich des Kehlsacks. Welchen tieferen Sinn dieser Anhang erfĂŒllt ist noch ungeklĂ€rt.
Lunge und LuftsÀcke
Der Atemtrakt des ChamĂ€leons ist völlig anders aufgebaut als der von SĂ€ugern. Die Lunge ist zwar auch paarig, erinnert aber eher an einen Sack mit vielen fingerförmigen Ausbuchtungen als an das aus unzĂ€hligen Alveolen bestehende Gewebe der menschlichen Lunge. Die Lunge ist durch dĂŒnne Septen in verschiedene Bereiche (âLuftsĂ€ckeâ) unterteilt, die bis weit nach hinten in den Körper reichen. Die Unterteilungen variieren von Art zu Art und können zur Unterscheidung herangezogen werden.
Sowohl Ein- als auch Ausatmen werden durch aktive Bewegungen der Zwischenrippenmuskulatur gesteuert (vgl. beim SÀuger werden lediglich die Einatmung sowie ein sehr kurzer Part der Ausatmung durch Muskeln forciert). Mit einem einzigen Atemzug kann ein ChamÀleon jedoch eine doppelt so hohe Sauerstoffversorgung seines Bluts erreichen, da der Gasaustausch bei diesen Tieren sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen stattfindet (wobei dies vor allem im vorderen Bereich der Lunge geschieht, die ins Abdomen ragenden LuftsÀcke dienen nicht dem Gasaustausch).
Durch die sackartige Form, die filigranen, extrem dĂŒnnen Membranen und wenig ElastizitĂ€t ist die ChamĂ€leonlunge leider sehr anfĂ€llig gegenĂŒber Infektionen, was gerade im Terrarium besonderer Beachtung bedarf. Temperaturen und Luftfeuchtigkeit mĂŒssen durch adĂ€quate Beleuchtung, Wasserzufuhr und BelĂŒftung optimal dem Bedarf des ChamĂ€leons entsprechen. Die Tiere können auĂerdem (da kein Zwerchfell vorhanden ist) nicht husten, was ihnen die Möglichkeit verwehrt, in den LuftsĂ€cken befindliche FlĂŒssigkeit ĂŒber die Luftröhre nach oben zu transportieren. SpĂ€testens Schleim im Maul, hörbare AtemgerĂ€usche und stĂ€ndig geöffnetes Maul trotz niedriger Temperaturen sollten fĂŒr den Halter Alarmsignale sein, den nĂ€chsten chamĂ€leonkundigen Tierarzt aufzusuchen. Lungenerkrankungen sind nicht ungefĂ€hrlich und können bei ChamĂ€leons schnell tödlich enden.
Die LuftsĂ€cke dienen neben der Atmung auch der GestaltverĂ€nderung: Wenn ein ChamĂ€leon z.B. droht, kann es sich regelrecht âaufblasenâ und seine Körperform stark verĂ€ndern.
Herz
Das ChamÀleonherz weist zwei getrennte Vorhöfe auf, jedoch nur eine Kammer. Durch Muskelleisten kann die Herzkammer fast vollstÀndig getrennt werden. Dies ist beim thermostabilen Tier meist der Fall. Sobald die Muskeln Blut passieren lassen, sind Körper- und Blutkreislauf verbunden. Das Tier kann dadurch Blut ganz nach Bedarf zwischen den beiden KreislÀufen verschieben, was eine sehr gute Anpassung an die wechselnden Umweltbedingungen bedeutet.
GrundsĂ€tzlich flieĂt sauerstoffarmes, âgebrauchtesâ Blut aus dem Körper ĂŒber die Venen in den rechten Herzvorhof und wird dann aus der Kammer heraus in die Lunge gepumpt, wo Sauerstoff aufgenommen wird. Das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge wiederum flieĂt dann in den linken Herzvorhof, von der Kammer aus wird es dann in den Körperkreislauf weitergegeben. Dadurch, dass ChamĂ€leons nur eine Herzkammer statt zwei wie wir SĂ€uger haben, können sie SĂ€ure-Basen-Haushalt, Gasaustausch sowie Blutdruck deutlich effizienter regulieren.
Lympathisches System
Das lymphatische System des Körpers transportiert FlĂŒssigkeit (Lymphe) aus Geweben und Organen zu den Venen, so dass sie wieder in den Körperkreislauf gelangen. Bei ChamĂ€leons ist das lymphatische System gut ausgebildet, Lymphknoten wie beim Menschen gibt es aber keine. Im Magen-Darm-Trakt sind zumindest Lymphfollikel vorhanden.
Milz
Die Milz liegt beim ChamÀleon in der Regel im oberen Darmgekröse.
Thymus
Der Thymus besteht aus zwei Lappen, die jeweils seitlich des Schlunds unter der Arteria carotis interna und mittig der Jugularvenen liegen.
Leber und Gallenblase
Die ChamĂ€leonleber besteht wie bei allen Echsen aus nur zwei langen Lappen, die bis in die hintere KörperhĂ€lfte reichen. Der linkere Leberlappen ist etwas gröĂer als der rechte. Die Gallenblase befindet sich am oberen seitlichen Rand desselben.
Magen und Darm
Magen und Darm sind Ă€hnlich aufgebaut wie bei SĂ€ugern, allerdings ist die Verdauung bei ChamĂ€leons sehr stark von der Körpertemperatur, Wasserhaushalt, FuttergröĂe und âtyp abhĂ€ngig. Bei optimaler Temperatur kann die Verdauung bis zu dreifach beschleunigt sein. Die gesamte Passage eines Futtertiers vom Ausgang des Magens bis zu den Resten in der Kloake dauert im Durchschnitt etwa drei Tage, bei kleineren Tieren ist auch nur ein Tag möglich. Das ist deutlich lĂ€nger als die Darmpassage bei SĂ€ugern (einige Stunden).
Der gesamte Darm ist bei ChamÀleons schwarz pigmentiert.
Abdominalfettkörper
ChamĂ€leons sieht man Verfettung von auĂen nur minimal an - wenn denn ĂŒberhaupt. Der âFettspeicherâ der Tiere liegt stattdessen im Bauch in Form zweier langer, breiter Fettkörper unter den Rippen. Hungert ein Tier, kann es die Abdominalfettkörper nahezu vollstĂ€ndig abbauen.
Urogenitaltrakt
Niere
ChamĂ€leons haben ein Nieren-Pfortader-System. Das bedeutet, dass Blut aus dem Körper ĂŒber die Venen direkt zur Niere gelangt, nicht wie beim SĂ€uger zur Leber. Die Nieren liegen direkt unter dem Kreuzbein und sind lĂ€ngliche, glatte Gebilde. Direkt davor befinden sich als kleine, gelbliche DrĂŒsen die Nebennieren.
Die paarigen Nieren haben nur wenige Nierenkörperchen. Das letzte Tubulussegment ist ein sogenanntes Sexualsegment, dessen genaue Funktion aber unklar ist. ChamĂ€leons haben keine Henleâsche Schleife, mit deren Hilfe SĂ€uger ihren Harn konzentrieren können (Wasser wird entzogen). Stattdessen scheiden sie direkt HarnsĂ€ure als Urat aus. Ebenso fehlt den ChamĂ€leons ein Nierenbecken oder Papillen, in das bei SĂ€ugern die Sammelrohre der Niere mĂŒnden, sondern die Sammelrohre mĂŒnden direkt in den Harnleiter.
Blase und Kloake
Die Kloake selbst funktioniert als gemeinsamer âAusgangâ fĂŒr Harn und Kot, d.h. auch der Enddarm mĂŒndet in die Kloake. Sie ist in drei Bereiche geteilt: Coprodeum, Urodeum und Proctodeum.
Der Harnleiter mĂŒndet bei ChamĂ€leons in die Blase, die wiederum an die Kloake angeschlossen ist. Bei mĂ€nnlichen Tieren enden Harn- und Samenleiter meist auf der sogenannten Papilla urogenitalis im Urodaeum. Bei weiblichen Tieren dagegen verlaufen Harn- und Eileiter getrennt zur Kloake.
Geschlechtsorgane
MĂ€nnliche ChamĂ€leons verfĂŒgen nicht nur ĂŒber einen Penis, sondern gleich ĂŒber zwei sogenannte Hemipenes. Diese liegen in Taschen hinter der Kloake. Auf der Oberseite des Hemipenis befindet sich eine schmale Rinne, die die Spermien bei der Kopulation in die Kloake des Weibchens befördert. Die Hemipenes mit ihrem spezifischen Aussehen (u.a. den verschiedenen Papillen, "HĂ€kchen" darauf) werden auch zur Artdifferenzierung herangezogen.
Weibliche ChamĂ€leons sind entweder ovipar (legen weichschalige Eier) oder ovovivipar (gebĂ€ren lebende Junge, die von einer dĂŒnnen Eihaut umgeben sind). Die Tiere haben wie beim SĂ€uger Eierstöcke, Eileiter, GebĂ€rmutter und Scheide, allerdings mĂŒndet letztere in die Kloake. Beim Eierlegen kann der Bereich der Kloake vorgestĂŒlpt werden, so dass die Eier nicht in Kontakt mit Kot oder Urat kommen.
Die Geschlechtsreife wird bei Echsen durch die KörpergröĂe bestimmt, nicht durch das Alter.
Geschlechtsmerkmale
Die meisten ChamĂ€leonarten weisen einen starken Geschlechtsdimorphismus auf. Die MĂ€nnchen sind bei vielen Arten gröĂer, bunter gefĂ€rbt und bei einigen Arten weisen sie typische SchnauzenfortsĂ€tze oder gröĂere RĂŒckenkĂ€mme auf. Beim JemenchamĂ€leon z.B. haben die MĂ€nnchen einen gröĂeren Helm und einen Sporn am FuĂ, allerdings ist dieser Sporn auch schon vereinzelt bei Weibchen aufgetreten. Der Schwanzansatz eines mĂ€nnlichen ChamĂ€leons ist durch die beiden Hemipenes-Taschen deutlich verdickt.
Endokrine Organe
Zu den endokrinen Organen zĂ€hlen Epi- und Hypophyse, SchilddrĂŒse, Nebennieren, die Langerhansâschen Inseln des Pancreas sowie die KeimdrĂŒsen. Eine Besonderheit bei Echsen ist die UltimobranchialdrĂŒse, die Calcitonin separat von der SchilddrĂŒse produziert. AuĂerdem liegen die Nebennieren direkt im Hoden- oder Eierstockgekröse, so dass eine Kastration sehr vorsichtig durchgefĂŒhrt werden muss, um die Nebennieren nicht zu verletzen.
ExtremitÀten
Die ExtremitĂ€ten des ChamĂ€leons sind prinzipiell genau wie die des Menschen aufgebaut, lediglich die Finger weichen deutlich ab. Finger und FuĂzehen bilden quasi kleine Greifzangen, die eine optimale Anpassung an die kletternde Lebensweise bilden. An den VordergliedmaĂen sind zwei Finger nach auĂen und drei nach innen gerichtet, an den HintergliedmaĂen ist es genau andersherum: Zwei Zehen nach innen, drei zeigen nach auĂen. Das PhĂ€nomen der âzusammen gewachsenenâ Finger und Zehen nennt man Syndaktilie. TatsĂ€chlich sind aber die Knochen selbst nicht miteinander verwachsen.
Schwanz
Der Schwanz der echten ChamÀleons ist meist so lang wie der Körper selbst und wird zum Festhalten und Klettern genutzt. Er kann nicht abgeworfen oder regeneriert werden. Schlafende oder drohende ChamÀleons rollen den Schwanz vollstÀndig ein.
Quellen
- John Douglas Mader, Reptile medicine and surgery, 2nd edition, Elsevier Inc., Missouri 2006
- Petr NeÄas, Chameleons â Natureâs hidden jewels, Edition Chimaria, Frankfurt 1999


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