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Augen

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das Chamäleon hat grundsätzlich ein Linsenauge wie der Mensch. Die beiden Augen stehen allerdings zwecks Sichtfeldvergrößerung aus der Höhle heraus und können sich unabhängig voneinander bewegen.

Augenlider

Die Augenlider des Chamäleons sind schuppig wie die ganze Haut des Tieres. Die beiden Lider sind miteinander verwachsen, zum Teil ist auch der Augapfel selbst mit den Lidern verwachsen. Nur vor der Linse bleibt eine Öffnung frei. Die Augenlider können wie die restliche Haut ihre Farbe ändern und so als Kommunikationsmittel dienen. Die Lider werden vollständig mitgehäutet.

Linse

Furcifer pardalis - © A. Laube

Die Linse ist das Organ, dass für die Brechung des Lichts im Auge verantwortlich ist. Die Scharfstellung des Auges erfolgt über die Krümmung der Linse durch Muskeln. Die Verformung der Linse dabei nennt man Akkomodation. Es wird vermutet, dass das Gehirn des Chamäleons die Kontraktion der Augenmuskeln mit der Entfernung, in der sich ein Beuteobjekt befindet, in Zusammenhang bringen und so den Abstand zu besagtem Objekt abschätzen kann. Nach Forschungen von Frank Scheffel und Matthias Ott können Chamäleons die Linse tatsächlich über 45 Dioptrien genau variieren. Aktionen, bei denen die Akkomodation nicht präzise genug war, um Beute zu fassen, lagen bei nur 10%.

Die Linse hat im entspannten Zustand eine besondere Eigenschaft: Sie streut das Licht nicht, sondern bündelt es. Dadurch werden die visuellen Informationen wesentlich größer als „normal“ auf der Retina (Netzhaut) abgebildet. Der oben genannte Matthias Ott untersucht derzeit, wie dies zustande kommen kann, obwohl die Linse doch genau wie eine bikonvexe Sammellinse aussieht und eine Brechkraft von etwa 18 Dioptrien haben müsste.

Sehfeld

Ein Chamäleon kann 90° vertikal und 180° horizontal sehen. Insgesamt beträgt das Sichtfeld 342 °, nur über dem Rücken direkt hinter dem Kopf gibt es einen toten Winkel von 18°, in dem das Chamäleon nichts sieht.

Sehschärfe

Die Sehschärfe wird wie beim Menschen durch die Sklera (Hornhaut) verursacht. Dadurch, dass das komplette Auge vom Augenlid bedeckt ist und nur ein kleines Loch frei bleibt, ergibt sich beim Chamäleon der Effekt einer Lochkamera, d.h. zusätzliche Schärfe. Chamäleons können bis auf ein Kilometer (!) Entfernung scharf und deutlich sehen. Die Fokussiergeschwindigkeit beträgt etwa 60 Dioptrien pro Sekunde (etwa das vierfache dessen, wozu ein menschliches Auge fähig ist).

Farb- und Kontrastsehen

Für Farb- und Kontrastsehen sind die Stäbchen und Zapfen auf der Retina (Netzhaut) zuständig. Chamäleons besitzen vor allem Zapfen. Sie sehen also vorwiegend Farben und wenig Kontraste, wodurch sie im Dunkeln praktisch blind sind (was aber kein Problem ist, da sie nicht nachtaktiv sind). Auf den Zapfen können sich Öltröpfchen anlagern, die den Lichteinfall schwächen. Das Chamäleon hat damit quasi eine Art „eingebaute Sonnenbrille“ zum Schutz des Auges. Die Öltröpfchen dienen laut M. Ott auch dem Sehen im UV-Bereich.

Sonstiges

eingefallene Augen bei einem Furcifer pardalis - © A. Laube

Bei einem jagenden Chamäleon suchen die Augen unablässig und unabhängig voneinander die Umgebung ab. Ein sich bewegendes Beutetier wird mit beiden Augen fokussiert. Dabei decken sich beide Sehfelder zum Teil. Schläft das Chamäleon, so schließt es die Augenlider. Es kann seine Augäpfel zusätzlich zum Schutz nach unten senken und die Pupille in eine Hautfalte drehen. Manche Arten können ihre Augen komplett zurückziehen.

Befindet sich ein Fremdkörper im Auge, so kann das Chamäleon seinen Augapfel gegen die Augenlider weit nach vorne aus der Orbita drücken. Meist wird das Auge dann an einem Ast gerieben, um den Fremdkörper zu entfernen. Das Vordrücken der Augen kann man auch vor Häutungen beobachten.

Die Augen können auch auf den körperlichen Zustand eines Chamäleons hinweisen. Eingefallene Augen sind stets ein Zeichen, den Tierarzt aufzusuchen sowie u.a. das Parasiten- und Wassermanagement im Terrarium zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern.

Quellen