Das Chamäleon (Cha∣mä∣le∣on, das; -s, -s [lat. chamaeleon < griech. chamailéōn, eigtl. = Erdlöwe]), auch Wurmzüngler genannt, ist eine Echsenart innerhalb der Unterordnung der Reptilien (Reptilia). Die Familie stellt die kleinste bekannte Reptilienart der Welt (Brookesia minima) mit nur 2cm Größe. Das größte Chamäleon ist Calumma parsonii, mit einer Gesamtlänge von bis zu 70 cm.
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Systematik
Die Familie Chamaeleonidae unterscheidet sich durch viele morphologische Besonderheiten von dem Rest der Unterordnung Sauria, weshalb sie lange von den Echsen getrennt war und als eigenständige Unterordnung Rhiptoglossa bzw. Vermilinguer (Wurmzüngler) betrachtet wurde. Danach zeigte sich aber, dass trotz der schon frühen Abspaltung von den Agamen die Familie Chamaeleonidae eine Schwestergruppe der Familie Agamiden (Agamidae) darstellt.*
Die Unterfamilie Chamaeleonidae umfasst z.Z. 2 Unterfamilien (Chamaeleoninae (Echte Chamäleons) & Brookesiinae (Stummelschwanz oder Erdchamäleons)) mit momentan 160 Arten und fast 190 Unterarten. Es werden jedoch ständig neue Arten entdeckt, beschrieben und wieder revidiert, weshalb diese Zahl nicht entgültig ist.
Die Übersicht der Arten (Systematik) ist hier aufgelistet
Ursprung und Verbreitung
Über den Ursprung der Chamäleons herrscht uneinigkeit. Bis vor kurzem ging man davon aus, dass das Chamäleon aus Ostafrika stammt, und sich von dort über den Kontinent und angrenzende Gebiete verteilt hat. Neuere Untersuchungen deuten auf einen Ursprung in Madagaskar hin. Das wiederum wird von anderen Wissenschaftlern bezweifelt. Während der Kreidezeit war das Chamäleon in ganz Afrika bis Mitteleuropa verbreitet. Der nördlichste Fund fossiler Chamäleonknochen war in Sandelzhausen (Bayern) und wird auf ein Alter von 20. Mio Jahre geschätzt (Chamaeleo bavaricus, Chamaeleo caroliquartis). Heute findet man Vertreter von Chamaeleonidae auf dem gesamten afrikanischen Festland, sowie südliche Küstenregionen Portugals und Spaniens. In Europa sind des weiteren Populationen in Griechenland, Sizilien und der Türkei bekannt. Ebenso Indien, die Arabische Halbinsel und natürlich Madagaskar.
Die einzelnen Arten haben sich auch an die extremsten Klimabedingungen angepasst. So findet man in der namibischen Wüste mit ihren hohen Tag- und niedrigen Nachttemperaturen das Chamaeleo namaquensis, welches am Boden lebt. Chamaeleo chamaeleon überwintert nahe der Nullgradgrenze in Steinhölen, während Calumma parsonii im Madagassischen Regenwald in großer Höhe auf Baumkronen lebt. Chamaeleo schubotzi hingegen kommt am Mt. Kenia bis in einer Höhe von 4500m nahe der Schneefallgrenze vor.
Aussehen/Anatomie
Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal gegenüber den meisten anderen Reptilien dürfte der seitlich abgeflachte Körper sein. Mithilfe mehrerer schlauchförmiger Lungenfortsätze, die sich durch große Teile des Oberkörpers ziehen, kann das Chamäleon seine Körperform stark verändern. Dazu kommen die jeweils unabhängig voneinander beweglichen Augen und natürlich die in der Natur einzigartige Schleuderzunge.
Das große Verbreitungsgebiet der Chamaeleonidae brachte im Laufe der Jahrmillionen darüberhinaus die verschiedensten Anpassungen an die Lebensräume und führte zu großer horizontaler und vertikaler Diversität:
Die sogenannten "echten Chamäleons" (Chamaeleoninae) sind zumeist Busch- und Baumbewohner (Ausnahmen sind z.B. Chamaeleo namaquensis). Diese Chamäleons sind mit Greifschwanz, Greiffüßen und seitlich abgeflachtem Körper optimal an ein Leben im Geäst angepasst. Bei Erd- und Stummelschwanzchamäelons (Brookesiinae) fehlt der Greifschwanz oder ist stark zurückgebildet. Die bodennahe Lebensweise in der Laub- und Krautschicht macht einen Greifschwanz unnötig. Dennoch sind die Füße wie bei Chamaeleoninae ausgebildet und erlauben ein Klettern auf Zweigen und Grashalmen.
Viele Arten weisen zudem zusätzliche echte oder unechte Hörner am Kopf, sowie ein Rücken- oder Schwanzsegel auf. Hautlappen am Hinterkopf werden von manchen Arten ebenso wie die bekannte Fähigkeit zum Farbwechsel zur Kommunikation eingesetzt.
Nahrung und Beutefang
Die meisten Chamäleons ernähren sich ausschließlich von kleinen und kleinsten Wirbellosen. Hauptsächlich Käfer, Hautflüglger und Spinnen. Aber auch Schnecken, Würmer und sogar kleine Säugetiere und Vögel werden erbeutet. Ist das Beutetier mit einem der beiden Augen fixiert, nutzen sie die Schleuderzunge um es aus sicherer Distanz zu erbeuten. Die Distanz kann hierbei bis zum Doppelten der eigenen Körperlänge betragen. Manche Arten fressen gelegentlich auch Obst, Blätter oder Blüten sowie Kalkstückchen und Erde. Zum Trinken wird ein Tautropfen entweder direkt vom Blatt geschossen, oder aber mit feinen Kapillarröhrchen an der Zunge aufgesogen. Diese Rillen erlauben es dem Chamäleon, das Wasser auch "aufwärts", also kopfüber aufzunehmen. Der Wassertropfen wird hierbei nur berührt, die Kapillarwirkung erledigt den Rest. Details zur Zunge im extra Artikel Zungenschuss
Literatur
- Siehe: NECAS, P. (2004): Chamäleons-Bunte Juwelen der Natur. - Edition Chimaira, Frankfurt, 3. Aufl. : 382 S. Seite 12
Weblinks
- Wiktionary: Chamäleon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
- Wikipediaeintrag zu Chamäleons
- Commons: Chamäleons – Bilder, Videos und/oder Audiodateien


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