André Marie Constant Duméril (*1. Januar 1774, in Amiens; †2. August 1860 in Paris) war ein französischer Arzt, Anatom und Herpetologe.
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Kurzbiografie
André Marie Constant Duméril, Arzt und Anatom, war der größte taxonomische Herpetologe seiner Ära. Er wurde am 1. Januar 1774 in Amiens (Somme), Frankreich geboren, und zeigte ein frühes Interesse an der Natur, besonders für Insekten und Salamander. 1793 begann Duméril seine medizinische Ausbildung an der École Secondaire de Médecine in Rouen, wechselte aber 1795 an die École de Santé in Paris. Nach 1799 wurde er dort zum Leiter der anatomischen Abteilung befördert, und 1801 zum Professor der Anatomie und Physiologie. Während dieser Zeit setzte er seine zoologischen Arbeiten fort und war eng mit dem Muséum National d'Histoire Naturelle verbunden, insbesondere mit dem vergleichenden Anatom Georges Cuvier.
1803 trat der Comte de La Cépède, Leiter der Ichthyologie und Herpetologie am Museum, aufgrund seiner Hauptbeschäftigung als Präsident des Senats und Großkanzler der Ehrenlegion, zurück. Cuvier nominierte Duméril für diesen Posten, doch dieser akzeptierte nur widerwillig, unter der Bedingung, dass es nur vorübergehend sei. Schließlich wurde Duméril 1825, nach dem Tod von La Cépède, doch offizieller Leiter, eine Position, welche er 1857 an seinem Sohn, Auguste Duméril, übergab. Somit umfasste Duméril's Dienst am Museum 54 Jahre, eine Zeit, in der die französische Vorherrschaft in der Herpetologie ihren Zenith erreichte, welches hauptsächlich sein Verdienst war.
Im Hinblick auf Duméril's enorme Produktivität am Museum, darf man nicht vergessen, dass er auch noch seinen medizinischen Pflichten nachkam und nur ans Museum kam, um zu unterrichten. Er war in der Tat ein sehr beliebter Dozent und bemerkte einst, dass dies der Aspekt seiner Arbeit war, welcher ihn persönlich am meisten zufrieden stellte. Cuvier und Achille Valenciennes waren für die schnell wachsenden Sammlungen verantwortlich, aber als Cuvier 1832 starb, übernahm Valenciennes die Professur der Malakologie (Weichtierkunde) und ließ Duméril ohne Unterstützung zurück. Glücklicherweise, gab es unter den Mitarbeitern des Museums bereits jemanden, Gabriel Bibron, der Duméril's Fähigkeiten perfekt ergänzte. Dumérils Interesse lag eindeutig auf der Ebene der höheren Taxa und Klassifizierungen, wie in seinem ersten Hautwerk, "Zoologie Analytique" (1806), demonstriert wird, welches zwar alle Tierarten beinhaltet und die Beziehungen der Geschlechter zeigt, jedoch überhaupt keine Gattungen nennt. Frankreich war zu dieser Zeit, unter Napoleon, sowohl militärisch als auch wirtschaftlich, enorm stark, und ein Anwachsen der Sammlungen war das Resultat. Frankreichs siegreiche Generäle brachten große Sammlungen zurück, dass ging sogar soweit, dass ganze Regale aus den Museen der eroberten Länder, unter dem Vorwand der "Leihgabe", oder sogar als "Geschenke" der dankbaren Leute an das französische Volk, geleert wurden. Dies war auch die Zeit der großen Reisen und Expeditionen, als die europäischen Mächte begannen überseeische Besitztümer, zu kaufmännischen als auch zu militärischen Zwecken, zu erschließen, und Frankreich darin hervorstechend war. Die Beute wurde nach Paris zurückgebracht und kam dort in die Obhut eines Mannes: Constant Duméril. Zusammen mit seinem wichtigsten Assistenten, Gabriel Bibron, ging Duméril dazu über, eine ausführliche Übersicht der weltweiten Herpetofauna, basierend auf der damals größten herpetologischen Sammlung der Welt, zu erzeugen.
Duméril selbst, war für das großartige Design und die Anordnung der Gattungen (die erste natürliche Anordnung der Gattungen von Amphibien und Reptilien, überhaupt) und so für eines der klassischen Denkmäler der beschreibenden Zoologie verantwortlich. Bei der generischen Einteilung wurde er von dem jungen deutschen Studenten, Nicolaus Michael Oppel, unterstützt, welcher von 1807-1808 sein Schüler war. Bibron's Aufgabe waren die Beschreibungen der Arten. Das Resultat war "Erpétologie Générale ou Histoire Naturelle Complète des Reptiles" (1834-1854), in neun Ausgaben (gebunden in zehn, da Ausgabe sieben aus zwei Büchern bestand) plus einem Atlas mit 120 Abbildungen, der in schlichten, handgemalten Versionen geliefert wurde. Nach dem frühzeitigen Tod von Bibron im Jahre 1848, schloss sich Auguste Duméril seinem Vater an, um die zwei verbleibenden Ausgaben (sieben und neun), schriftlich zu vollenden.
"Erpétologie Générale" war das erste Werk, welches eine umfassende wissenschaftliche Beschreibung aller Amphibien und Reptilien, einschließlich ihrer Anatomie, Physiologie und Systematik, enthielt und mit der Literatur verband. In diesem großartigen Werk wurden circa 1393 Arten beschrieben. Jede Art wurde mit einer kompletten Synonymik und einer ausführlichen Beschreibung angegeben, manche wurden illustriert. Im Vergleich dazu, umfasste George Albert Boulenger's späterer Bericht der weltweiten Herpetofauna, 8469 Arten, jedoch waren seine Beschreibungen viel weniger ausführlich.
Trotz aller Fortschritte der "Erpétologie Générale", war ihr Hauptfehler, die Einordnung der Amphibien in die Gruppe der Reptilien, eine Umkehrung der Anordnung von Alexandre Brongniart (1799). Das wurde trotz P.-A. Latreille's (1825) Trennung der Amphibien als eigene Klasse und das Sammeln, unentwickelter Belege von Karl E. von Baer (1828) und Johannes Müller (1831), angenommen, eine besonders verwunderliche Gliederung im Hinblick auf Duméril's Wissensumfang. Außer seinen Interessen an Taxinomie und Anatomie, war Duméril seit seiner Jugend ein leidenschaftlicher Beobachter der lebenden Tieren, und war dementsprechend, für die Gestaltung einer Tierschau mit lebenden Exemplaren, auf dem Museumsgelände verantwortlich, welche viele wichtige und bedeutende Beobachtungen zur Systematik ermöglichten.
Der Tod von Gabriel Bibron schuf eine zehnjährige Veröffentlichungslücke, während der nur zwei getrennte Arbeiten herausgebracht wurden, welche als Erweiterungen zur " Erpétologie Générale " betrachtet werden müssen: der "Catalogue Méthodique de la Collection des Reptiles" (1851), eine Ergänzung der bereits veröffentlichten Ausgaben (eins bis sechs und acht), welcher, obwohl förmlicherweise durch beide Dumérils verfasst, im Allgemeinen Auguste Duméril zugeschrieben wird, und "Prodrome de la Classification des Reptiles Ophidiens" (1853), durch Constant Duméril verfasst, eine Vorschau auf seine Klassifizierung der Schlangen in Ausgabe sieben (veröffentlicht in zwei Teilen, 1854). Trotz ihrer Inanspruchnahme durch dieses großartige Projekt setzten die drei Autoren im Laufe derselben Periode, andere Arbeiten über Amphibien und Reptilien fort, oft beiläufig zum größeren Projekt doch manchmal sogar ziemlich eigenständig und von ansehnlicher und wertvoller Natur.
Als "Erpétologie Générale" beendet wurde, war Constant Duméril 80. Er hatte tagtägliche Beaufsichtigung des Labors im vorherigen Jahr (1853) seinem Sohn übergeben und sich schließlich 1857 zurückgezogen. Während dieser letzten Jahre, noch gesund, wandten sich seine Interessen seiner ersten Leidenschaft, den Insekten, zu. Er erhielt viele Ehrungen, einschließlich der Ernennung zum Kommandanten der Ehrenlegion, zwei Monate vor seinem Tod in Paris am 14. August 1860.
Beschriebene Chamäleonarten
valide Formen
- Calumma nasutum (DUMÉRIL & BIBRON, 1836)
- Chamaeleo calyptratus calyptratus (DUMÉRIL & BIBRON, 1851)
- Furcifer balteatus (DUMÉRIL & BIBRON, 1851)
synonyme Formen
- Chamaeleo niger (DUMÉRIL & BIBRON, 1836) (ex errore pro Chamaeleo ater LESSON 1832)
- Chamaeleo seychellensis (DUMÉRIL & BIBRON, 1836) (n. emend. pro Chamaeleo scychellensis KUHL 1820)
- Chamaeleo tricornis (DUMÉRIL & BIBRON, 1836) syn. Ch. (t.) oweni (GRAY, 1831)
Ihm zu Ehren benannte Reptilienarten
- Acanthodactylus dumerili dumerili (MILNE-EDWARDS, 1829) Duméril's Fringe-fingered Lizard
- Acrantophis dumerili (JAN, 1860) Dumerils Madagaskarboa
- Lycodon dumerili (BOULENGER, 1893) Wolfszahnnatter
- Micrurus dumerilii (JAN, 1858) Dumerils Korallenotter
- Peltocephalus dumeriliana (SCHWEIGGER, 1812) Dumerils Schienenschildkröte
- Stenocercus dumerilii (STEINDACHNER, 1867) Kurzschwanzleguan
- Urotheca dumerilli (BIBRON, 1840)
- Varanus dumerili dumerilii (SCHLEGEL, 1839) Dumerilwaran
Literatur
- Duméril, A.M.C. and G. Bibron. 1836. Erpetologie Générale ou Histoire Naturelle Complete des Reptiles. Vol.3. Libr. Encyclopédique Roret, Paris, 528 pp.
- Duméril, A.M.C. & A. H. A. DUMÉRIL 1851. Catalogue méthodique de la collection des reptiles du Muséum d'Histoire Naturelle de Paris. Gide et Baudry/Roret, Paris, 224 pp.
- Duméril, A. H. A., G. BIBRON & A. DUMÉRIL 1854. Erpétologie générale ou Histoire Naturelle complète des Reptiles. Vol. 9. Paris, XX + 440 S.
Links
The Reptile Database/DUMÉRIL 256 Arten


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