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Farbwechsel

Inhaltsverzeichnis

Farbwechsel bei ChamÀleons

ZunĂ€chst einmal, mĂŒssen wir mit einem weit verbreiteten Irrglauben vieler Menschen aufrĂ€umen. ChamĂ€leons fĂ€rben sich in der Regel nicht zur Tarnung vor Ihren Fressfeinden und sie können sich auch nicht Ihrem Untergrund anpassen.

Sinn und Zweck des Farbwechsels

Der Farbwechsel bei ChamÀleons dient verschiedenen Zwecken:

Die Anpassung der FĂ€rbung wird zur Thermoregulation (Steuerung der Körpertemperatur) verwendet: Dunkle Farben erlauben dem Tier, binnen kurzer Zeit möglichst viel Sonnenenergie zu tanken, um sich aufzuwĂ€rmen. In den frĂŒhen Morgenstunden fĂ€rben sich deshalb viele ChamĂ€leons dunkel, da sich diese Farbe in der Sonne schneller aufheizt und sie so schneller aktiv werden können. Ist die Körpertemperatur erreicht, wird die Haut "aufgehellt", um die Sonnenstrahlen zu reflektieren und nicht mehr aufzunehmen. Diese FĂ€higkeit get sogar soweit, dass aktiv bestimmte Frequenzen(Farben) des Lichtes reflektiert, und andere weiterhin durchgelassen werden können. So ist es dem ChamĂ€leon möglich, bei Bedarf weiterhin die fĂŒr den Vitaminhaushalt wichtigen UV-B Strahlen "durchzulassen" (zu absorbieren), wĂ€hrend es die meisten anderen Frequenzen reflektiert, und so nicht ĂŒberhitzt, obwohl es die Vorzugstemperatur bereits erreicht hat, und am "Sonnenplatz" sitzenbleibt. (vgl BENETT 2005, KARSTEN et al 2009]

Eine auffĂ€llige FĂ€rbung verrĂ€t jedoch je nach Art und Geschlecht verschiedene andere Dinge: Ein mĂ€nnliches ChamĂ€leon versucht zum Beispiel mit Hilfe möglichst auffĂ€lliger Farben, Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Da ChamĂ€leons in der Natur als EinzelgĂ€nger leben und in der jeweiligen, natĂŒrlichen Umgebung eher unauffĂ€llig sind, benötigen sie entsprechend starke Signale. Geruchssinn und Gehör sind beim ChamĂ€leons nicht die primĂ€ren Sinnesorgane, also nutzt man, was man hat. Sehen und gesehen werden heißt das Motto bei der Fortpflanzung. Auch Weibchen zeigen anhand ihrer FĂ€rbung bei der Balz ihre Paarungsbereitschaft an. Nach der Paarung kann man anhand der FĂ€rbung eines Tieres oft erkennen, ob die Paarung erfolgreich war order nicht. Weibchen zeigen hĂ€ufig wenige Tage nach einer erfolgreichen Paarung eine typische GraviditĂ€tsfĂ€rbung.

AuffĂ€llige Farben und Muster werden unter den ChamĂ€leons jedoch auch zur Drohung und Abschreckung verwendet. Treffen sich zwei mĂ€nnliche ChamĂ€leons gleicher Art, so wird anhand der FĂ€rbung das dominante MĂ€nnchen schnell ermittelt. Das unterlegene Tier zeigt dann hĂ€ufig durch eine graue oder braune Tönung seine RĂŒckzugsbereitschaft an. So werden TĂ€tlichkeiten unter ChamĂ€leons oft schon im Vorfeld abgewendet. Kommt man als Mensch (oder möglicher Fressfeind) einem ChamĂ€leon zu nahe, so wird die FĂ€rbung zusammen mit anderen DrohgebĂ€rden („aufplustern“, groß und flach erscheinen, fauchen, Maul aufreißen) zu einer deutlichen Warnung verwendet. Viele sehr bunte Tiere sind giftig, weshalb sich RĂ€uber durch starke Farben oft abschrecken lassen. Das VortĂ€uschen von Giftigkeit z.B. durch eine entsprechende FĂ€rbung nennt man in der Biologie auch „Mimikry“.

Anhand der Farbe lÀsst sich auch der körperliche Zustand eines Tieres beurteilen. Gestresste und kranke Tiere sind hÀufig dauerhaft sehr dunkel und zeigen harte Kontraste. Alte Tiere und solche, die kurz vor der HÀutung stehen erscheinen eher blass.

Das mögliche Farbspektrum eines ChamĂ€leons ist artabhĂ€ngig – bei einigen Arten ist das mögliche Farbspektrum auch abhĂ€ngig von der örtlichen Verbreitung. Ein typisches Beispiel sind die verschiedenen Farbformen von Furcifer pardalis (Nosy BĂ©, Nosy Mitsio, Ambilobe).

Farbwechsel durch hoch spezialisierte Hautfunktionen

Wie bei Reptilien typisch, besteht die Haut eines ChamĂ€leons aus drei Schichten, der Epidermis (Oberhaut), der Cutis (Lederhaut) sowie der Subcutis (Unterhaut). Die toten Schuppen der Epidermis sind dabei recht lichtdurchlĂ€ssig. In der Cutis liegen die verschiedenen BlutgefĂ€ĂŸe, Nerven, Hautmuskeln sowie die fĂŒr die FĂ€rbung verantwortlichen Chromatophoren. Deren Zellplasma enthĂ€lt verschiedene Farbstoffe.

Direkt unter der Epidermis liegen in der Cutis zunĂ€chst die so genannten Xanthophoren sowie die Erythrophoren, welche den entweder mehr gelblichen oder mehr rötlichen Farbstoff Karotin enthalten. Darunter folgt eine Schicht aus so genannten Guanophoren, welche ein farbloses, kristallines Eiweiß (Guanin) enthalten. Durch die Ausrichtung der Kristalle können mit Hilfe der Lichtbrechung blaue Farbtöne erzeugt werden. Die unterste Schicht der Cutis besteht aus Melanophoren, welche das schwarze Pigment Melanin enthalten.

Gesteuert durch die Nervenzellen können diese verschiedenen Farbzellen bei gesunden ChamĂ€leons binnen Millisekunden bestimmte Farben erzeugen. Der Grund, warum kranke ChamĂ€leons hĂ€ufig schwarz sind liegt darin, dass die Erzeugung von Farben in allen Zellen außer den Melanophoren ein aktiver Prozess ist. Ist ein ChamĂ€leon also nicht fit, bleiben alle Chromatophoren ungefĂ€rbt, wĂ€hrend die schwarzen Melanophoren zu sehen sind.

Quellen

  • BENETT (2004) - Thermoregulation of African Chameleons. - Department of Eology and Evolutionary Biology, University of California, Irvine
  • SEEBACHER & FRANKLIN, (2005) - Physiological mechanisms of thermoregulation in reptiles: a review - School of Integrative Biology, The University of Queensland, St. Lucia
  • STUART et al (2008) - Selection for Social Signals Drives te Evolution of Chameleoen Colour Changes ( Selection for Social Signalling Drives the Evolution of Chameleon Colour Change (engl.) )
  • WALTON & BENETT (1992) - Temperature dependent color change in Kenyan chameleons