Kinyongia xenorhina ( Blattnasenchamäleon )
Familie: Chamäleons (Chamaeleonidae)
Unterfamilie: Echte Chamaeleons (Chamaeleoninae)
Gattung: Kinyongia
Untergattung:
Art: xenorhina
Unterart:
Deutsche Bezeichnung: Blattnasenchamäleon
Kinyongia xenorhina
Erstbeschreiber: BOULENGER 1901
diese Art unterliegt dem Washingtoner Artenschutz-Abkommen II, Anhang B!
Erwerb und Abgabe sind daher meldepflichtig.
Weitere Hinweise dazu bitte bei den verlinkten Artikeln Gesetze und Meldepflicht nachlesen!
Kinyongia xenorhina ist an den Berghängen der Ruwenzori Mountains im Grenzgebiet zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo beheimatet. Das Hochlandchamäleon gehört zu den mittelgroßen Chamäleon-Arten wobei die Männchen etwas unter 30 cm bleiben und die Weibchen nicht größer als 20 cm werden.
Inhaltsverzeichnis |
Systematik
Im Jahre 1901 wurde die als Chamaeleon xenorhinus bezeichnete Art erstmals durch den Zoologen George A. Boulenger (1858-1937) beschrieben. KLAVER & BĂ–HME ordneten die Art 1986 in die Gattung Bradypodion ein. Im Jahre 2006 wurde sie von TILBURY et al in die neu beschriebene Gattung Kinyongia gestellt. Zur Zeit werden von Kinyongia xenorhina keine Unterarten unterschieden.
Aussehen
Charakteristisch für die Männchen dieser Chamäleonart ist ein blattartiger Schnauzenfortsatz von 2 – 3 cm Länge. Der Fortsatz war ausschlaggebend für die wissenschaftliche Bezeichnung der Tiere (xeno (gr.) fremd, rhino (gr.) Nase) und steht auch für den deutschen Namen „Blattnasenchamäleon“ Pate. Das nur wenige mm starke Gebilde besitzt eine knöcherne Basis und besteht eigentlich aus zwei einzelnen Fortsätzen die aber eng aneinander liegen bzw. häufig miteinander verwachsen sind. Die maximale Körperlänge der männlichen Tiere beträgt etwa 27 - 29 cm (DE WITTE 1965, SPAWLS et al 2002). Die Weibchen bleiben mit rund 18 cm erheblich kleiner. Der Kopf der männlichen Tiere trägt einen 2 – 3 cm hohen, seitlich abgeflachten Helm. Der Rückenkamm wird aus leicht auseinander liegenden spitzen Schuppen gebildet und reicht etwa nur bis zu zwei Drittel der Rückenlinie. Der Nasenfortsatz der Weibchen ist nur sehr schwach entwickelt und besteht aus zwei einzelstehenden kleinen Höckern. Ihr Helm ist nur leicht erhöht, lediglich die Parietalleiste überragt den Rückensaum. Die Körperbeschuppung ist durch die über den ganzen Körper verteilten warzenförmigen Schuppen stark verschiedenartig. Besonders der Helm und der Schnauzenfortsatz der Männchen sind mit sehr großen runden und ovalen Schuppen besetzt. Die Schwanzlänge beträgt etwa 60 % der Gesamtlänge. Ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus ist durch den großen Schnauzenfortsatz und den erheblichen Größenunterschied der Männchen auszumachen. Einzelne Exemplare von Kinyongia xenorhina können höchst unterschiedlich gefärbt sein. Als Grundton ist oft ein Grün, Blaugrün oder Braun auszumachen. Die Männchen zeigen im allgemeinen kräftigere Farben als ihre Geschlechtspartnerinnen. Ihre Augenpartie ist mitunter rot, die grossen Schuppen am Helm kastanienbraun gefärbt. Oft zeigt sich eine Bänderung der Körperseiten durch dunkle Querbinden, die besonders am Schwanz mit gleich grossen weissen und gelben Balken sichtbar ist. Zwischen der Beschuppung der Flanken zeichnet sich ein ein Netzmuster aus feinen rötlichen Linien ab. Ein Geschlechtdichromatismus ist in der unterschiedlich gefärbten Interstitialhaut am Kinn auzumachen. Die Weibchen haben eine goldgelbe Zwischenschuppenhaut, die der Männchen ist rotbraun. Darüber hinaus sind die Weibchen meistens in grünen Farbtönen gehalten.
Verbreitung und Lebensraum
Als typischer Fundort (terra typica) ist bei BOULENGER (1901) der Mount Ruwenzori in Uganda angegeben. Das Verbreitungebiet erstreckt sich über die bis zu 5119 m hoch aufragenden Ruwenzori Mountains. Das 120 km lange und ca 50 km breite Hochgebirge bildet einen Teil der Grenze zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo. Nördlich wird das Gebirge vom Albertsee, südlich vom Eduardsee abgeschlossen. Über die Lebensweise von ’’Kinyongia xenorhina’’ in seinem natürlichen Habitat ist nur sehr wenig bekannt. Die Tiere besiedeln die bewaldeten Berghänge und Regenwälder von 1200 bis 2450 m Höhe (DE WITTE 1965, SPAWLS et al 2002). Die Fundorte am Butahu River (heute Butawu) liegen mit 3300 – 4200 m in der afroalpinen Zone und damit jenseits der Baumgrenze von 3700 – 4000 m (DE WITTE 1965). In seinem Habitat kommen die Chamäleons sympatrisch mit den Arten Kinyongia carpenteri (PARKER, 1929) und Trioceros johnstoni (BOULENGER, 1901) vor.
Klima
In den äquartornahen Ruwenzori Mountains fällt an 350 Tagen im Jahr Regen. Dies beschert dem Gebirgszug ein ganzjähriges feuchtwarmes Klima mit hoher Luftfeuchte. Die Berghänge sind fast täglich mit dicken Nebel und Wolken umhangen. Darüber hinaus gibt es noch zwei ausgeprägte Regenperioden, eine lange von März bis Mai und eine kurze von Oktober bis November. Auf der Höhe des Lake Eduards (920 m) sind mit einer Jahresniedersschlagsmenge von 900 mm zu rechnen (Viner & Smith, 1973). In höheren Lagen steigen die Niederschläge bis auf 1500 mm jährlich an wobei an den Westhängen bis zu 3000 mm Regen fallen. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen in den Niederungen zwischen 20 und 23°C mit Spitzenwerten über 30°C, nachts werden im Durchschnitt 12°C erreicht (DELVINGT et al 1990). Auf den Höhenlagen ab 1500 m liegen die mininimalen und maximalen Tageswerte bei 15°C und 20°C (CHAPMAN et al 2002). Die eisig-feuchten Nächte können in den oberen Berghängen Temperaturen bis zur Gefriergrenze erreichen. Auf Grund der häufigen Niederschläge herrscht fast das ganze Jahr über eine sehr hohe Luftfeuchte von 80 bis 100 %.
Terrarium
An die Terrarienhaltung von Kinyongia xenorhina sind ganz spezielle Voraussetzungen geknüpft. Grundsätzlich ist für eine artgerechte Pflege die Akzeptanz wichtig, dass die Tiere ein ausgeprägtes Dominanzverhalten besitzen, d. h. schwächere Individuen würden auf Dauer von den dominateren unterdrückt werden. Dies gilt sowohl für gleichgeschlechtliche Tiere wie auch für ein Pärchen. Die dauerhafte Unterdrückung eines Tieres kann zu Aggressivität (Beissereien), Futterverweigerung, Schwäche, Krankheit und schlußendlich zum Tode führen. Eine paarweise Haltung von Blattnasenchamäleons oder die Vergesellschaftung mit anderen Chamäleon- oder Reptilienarten in einem Behälter kommt damit nicht in Frage. Zum anderen sind den klimatischen Verhältnissen aus dem natürlichen Habitat Rechnung zu tragen. Das Terrarium muss so aufgestellt werden, dass den Chamäleons ganzjährig die Möglichkeit geboten wird sich auf ihre Vorzugstemperatur aufzuwärmen bzw. eine adäquate Nachtabsenkung erreicht wird. Für die Haltung von erwachsenen Kinyongia xenorhina haben sich Behälter mit einer Grundfläche von 50 x 50 cm und einer Höhe von 70 cm bewährt. Dem hohen Frischluftbedürfnis dieser Hochlandform gerecht zu werden müssen mindestens eine Seitenwand und der Behälterdeckel aus einem luftdurchlässigen Material bestehen, wie z. B. einer Kunststoffgaze. Die übrigen Wände können mit Korkplatten beklebt sein. Als Bodensubstrat dient ein ca. 8 cm hohes Sand/Erde-Gemisch. In den Terrarien der Weibchen sollte für eine erfolgreiche Eiablage die Substrattiefe mindestens 15 cm betragen. Zusätzlich sollten mehrere Stellen im Substrat immer leicht feucht gehalten werden, um als mögliche Eiablageplätze zu dienen. Die Behälter können mit allen handelsüblichen ungiftigen Blüh- oder Grünpflanzen sowie zahlreichen Kletterästen dicht bestückt werden. Die Terrarien sollten mit für die Terraristik hochwertigen Leuchtstoffröhren mit Reflektor täglich für 11 - 13 Stunden beleuchtet werden. Kinyongia xenorhina sucht bereitwillig lokale Wärmequellen auf, vorzugsweise in den frühen Vormittagsstunden. Als Strahler können zeitweise Halogenspots (20 W) oder kleine HQL-Leuchten (50 W) fungieren. Sie sollten aber nicht länger als 2 Stunden täglich eingesetzt werden. Für eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit sollte mindestens dreimal täglich mit einer Pflanzenspritze gesprüht werden. Bei einem Behälter oben beschriebener Größe steigt die Luftfeuchte nach dem Sprühen auf ca 90 %. Nach einiger Zeit fällt sie dann wieder auf 50 bis 60 %, nachts liegt sie um 70 %. Die Tagestemperaturen sollten im Bereich von 20°C, unterhalb der Wärmestrahler bis 25° C liegen. Eine Nachtabsenkung um mindestens 8° C ist für das Wohlbefinden der Hochlandchamäleons dringend erforderlich. Als Nahrung dienen den Chamäleons alle gängigen Futtertiere in entsprechender Größe wie etwa verschiedene Arten von Grillen, Heuschrecken, Schaben, Fliegen, Wachsmaden und deren Falter. Als Futtermittelzusatz empfiehlt sich ein Mineraliengemisch mit hohem Kalziumanteil. Das hohe Trinkbedürfnis decken die Tiere durch das Ablecken der täglichen Sprühfeuchte auf den Terrarienpflanzen. Zusätzlich kann ein bis zweimal wöchenlich mit der Pipette oder Injektionsspritze Wasser angeboten werden. Scheuen Tieren bietet man Trinkwasser mit einer Tropftränke an. Das Blattnasenchamäleon besitzt eine interessante Verteidigungsstrategie die auch u. a. bei westafrikanischen Arten des Trioceros cristatus-Komplexes beobachtet werden konnte. Fühlen sich die Tiere bedroht oder versucht man sie mit der Hand zu ergreifen, springen sie häufig auf die unteren Astetagen oder lassen sich auf den Boden fallen. Dabei verfärben sie sich in fast schwarzen Tönen und verhalten sich vollkommen regungslos. Dieser leblos wirkende Zustand wird Totstellreflex (Tanathose) genannt und dient als Schutzanpassung (Mimese) vor Fressfeinden. Haben die Tiere keine Möglichkeit wegzuspringen, reißen sie ihr Maul weit auf und stoßen dabei Zischlaute aus. Sie scheuen auch nicht davor zurück kräftig zuzubeißen.
Wird noch fortgesetzt
Fortpflanzung und Zucht
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Literatur
BOULENGER, G.A. (1901): Description of two new chamaeleon from Mount Ruwenzori, British East Africa. - Proc. zool. Soc., London 1901: 135-136.
CHAPMAN, C. A., L. J. CHAPMAN & T. R. GILLEESPIE (2002): Scale issues in the study of primate foraging: red colobus of Kibale National Park. – American Journal of Physical Anthropology, 117: 349-363.
DE WITTE, G. -F. (1965): Les caméléon de l'afrique centrale (République Démocratique du Congo, République du Rwanda et Royaume du Burundi. - Tervuren, Belgique Annales Serie 8, Sciences Zoologiques, 142: 1-215.
DELVINGT, W., M. MBAELELE & J. LEJOLY (1990). Guide du Parc National des Virunga. - Commission des Communautés Européennes, Bruxelles: 191 S.
SPAWLS, S., HOWELL, K., DREWES, R. & J. ASHE (2002): A Field Guide to the Reptiles of East Afrika.-Academic Press, New York, 2. Ed.: 543 S.
VINER, A. B. & I. B. SMITH (1973): Geographical, physical and historical aspects of Lake George. – Proceedings of the Royal Society of London, Series B 184: 235-270.
Quellen
Weblinks
http://www.exo-terra.com/docs1/expedition2005_journal/Exo_Terra_exp2005_journal_DE.pdf
http://www.chameleonnews.com/year2002/march2002/pages/xenos.html


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