Leopold Joseph Franz Johann Fitzinger (* 13. April 1802 in Wien; † 20. September 1884 in Hietzing) war ein österreichischer Zoologe.
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Kurzbiografie
Leopold Joseph Franz Johann Fitzinger, einer der produktivsten österreichischen Zoologen des 19. Jahrhunderts, wurde am 13. April 1802 in Wien geboren. Schon früh entwickelte er ein Interesse an der Natur, besonders für Pflanzen, und begann im Alter von 14 Jahren eine Apothekerlehre. Im Jahr darauf besuchte er die Universität von Wien, wo er unter J. F. Jacquin Botanik und Zoologie studierte. 1817 brach er jedoch seine Ausbildung ab, um Gehilfe im Hofnaturalienkabinett (Vorläufer des Naturhistorisches Museums) zu werden, welches von Jacquin's Schwiegersohn, Carl von Schreibers, geleitet wurde.
27 Jahre lang war Fitzinger's Arbeit am Museum ausschließlich ehrenamtlich und er hielt sich über Wasser, indem er für eine österreichische Partei arbeitete, bis er schließlich 1844 als bezahlter Mitarbeiter des Museums eingestellt wurde. Zuerst war er für die Sammlungen der niederen Wirbeltiere verantwortlich, aber 1835 gab er auf die Fische ab und fügte 1844 die Säugetiere zu seinen Aufgaben hinzu. Als Anerkennung für seine wichtige frühe Arbeit, wurden ihm durch die Universitäten von Königsberg (M.D. 1833) und Halle (Ph.D. 1834) Ehrentitel verliehen. Fitzinger trat zwar 1861 in den Ruhestand, übernahm aber 1863 die Direktion eines zu errichtenden zoologischen Gartens in München, errichtete später auch einen zoologischen Garten in Budapest, gab die Leitung aber bei dessen Eröffnung ab und zog 1873 nach Hietzing bei Wien, wo er am 22. September 1884 starb.
Fitzinger's Veröffentlichungen umfassen einen breiten Bereich, einschließlich aller Wirbeltier Klassen, einige wirbellose Gruppen und Fossilien. Sein erstes wichtiges herpetologisches Buch, "Neue Classification der Reptilien" (1826), war der Versuch einer natürlichen Anordnung, welcher auch Beschreibungen vieler neuer Gattungen beinhaltet. Es beruhte teilweise auf den Ideen und Notizen seiner ehemaligen Freunde Friedrich Hemprich und Heinrich Boie, die beide sehr jung starben. In anderen Arbeiten entdeckte Fitzinger die Kiemenöffnungen und männliche Geschlechtsorgane bei Schleichenlurchen und Blindwühlen (1833-1834), veröffentlichte eine Klassifizierung von Schildkröten (1836) und leistete viele andere wichtige Beiträge zur Herpetologie, einige von ihnen in den Veröffentlichungen seiner Zeitgenossen wie J. G. Wagler, Charles L. Bonaparte, Johann Natterer und A. M. C. Duméril und Gabriel Bibron.
1843 veröffentlichte Fitzinger seine wichtigste Arbeit mit dem Titel "Systema Reptilium". Eigentlich war das nur Teil eins - sein Taxon "Amblyglossae" (die Geckos, Chamäleons, Iguaniden und Agamiden) beschreibend, mit einem 21-seitigen Überblick aller Reptilien - aber die Reihe wurde vielleicht glücklicherweise, wie einige geschrieben haben, nie fortgesetzt. In diesem Buch vereinigte Fitzinger viele Ideen der Naturphilosophen (darunter von herpetologischem Interesse, Lorenz Oken, J. B. Spix und J. J. Kaup) welche der Ansicht waren, dass Organismen in eine vorgegebe, sich wiederholende, Anzahl von Kategorien geteilt und unterteilt werden sollten. Auf diese Weise, beschrieb Fitzinger viele Gattung, von denen heute noch ungefähr 70 für Amphibien und Reptilien in Gebrauch sind, einschließlich solch namhafter Gattungen wie Pseudacris, Eretmochelys, Gonatodes, Lampropeltis und Thamnophis. 1864 veröffentlichte er einen Atlas über die Amphibien und Reptilien der Welt, illustriert mit 108 schönen Tafeln, aber er gab die absurden Ideen der "Naturphilosophie" nie auf und wurde ein Gegner des Darwinismus.
Beschriebene Chamäleonarten
synonyme Formen
- Chamaeleo abyssinicus (FITZINGER, 1843) n. nud.; syn. Ch. (T.) affinis
- Chamaeleo coromandelicus (FITZINGER, 1843) syn. Ch. zeylanicus
- Chamaeleon hispanicus (FITZINGER, 1843) n. nud.; syn. Ch. C. chamaeleon
- Chamaeleon leptopus (FITZINGER, 1843) n. nud.; syn. Ch. senegalensis
Beschriebene Gattungen
- Chamaeleon (FITZINGER, 1843) err. für Chamaeleo (LAURENTI, 1768)
- Bradypodion (FITZINGER, 1843) val.
- Furcifer (FITZINGER, 1843) val.
- Triceras (FITZINGER, 1843) syn. subg. Trioceros
Ihm zu Ehren benannte Reptilienarten
- Ablepharus kitaibelii fitzingeri (MERTENS, 1952) Johanniseidechse
- Algyroides fitzingeri (WIEGMANN, 1834) Zwerg-Kieleidechse
- Coronella austriaca fitzingeri (BONAPARTE, 1840) Schlingnatter, Glattnatter
- Cyrtopodion kotschyi fitzingeri (STEPÁNEK, 1937) Europäischer Nacktfinger, Ägäischer Bogenfinger
- Liolaemus fitzingerii (DUMÉRIL & BIBRON, 1837) Fitzinger's Tree Iguana
- Micrurus tener fitzingeri (JAN, 1858) Texas Coral Snake
- Oxyrhopus fitzingeri fitzingeri (TSCHUDI, 1845) Fitzinger's False Coral Snake
Literatur
- Fitzinger, L. 1826. Neue Classification der Reptilien nach ihren natürlichen Verwandtschaften. Nebst einer Verwandtschaftstafel und einem Verzeichnisse der Reptilien-Sammlung des k. k. zoologischen Museums zu Wien. J. G. Heubner Vienna.
- Fitzinger, L. 1832. Über die Ausarbeitung einer Fauna des Erzherzogthumes Österreich, nebst einer systematischen Aufzählung der in diesem Lande vorkommenden Säugethiere, Reptilien und Fische, als Prodrom einer Fauna derselben. Beitr. Landesk. Österreichs unter der Enns, 1:280-340.
- Fitzinger, L. 1835. Entwurf einer systematischen Anordnung der Schildkröten nach den Grundsätzen der natürlichen Methode. Ann. Wien Mus. Naturgesch., 1(1):105.
- Fitzinger, L. 1843. Systema Reptilium, fasciculus primus, Amblyglossae. Braumüller et Seidel, Wien: 106 pp.
- Fitzinger, L. 1850. Über den Proteus anguinus der Autoren. Sitzungsber. K Akad. Wiss., Math.-Naturwiss. Cl., October 1850:201.
- Fitzinger, L. 1861. Die Ausbeute der österreichischen Naturforscher an Säugethieren und Reptilien während der Weltumseglung Sr. Maj. Fregatte "Novara." Sitzungsber. Akad. Wiss., Vienna, 42:383-416.
Links
- The Reptile Database/FITZINGER 5 Arten
- Fitzinger im Naturhistorischen Museum Wien
- Fitzinger Artikel in: Meyers Konversations-Lexikon 4. Aufl. 1888–1890, Bd. 6, S. 317 f.


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