Trioceros tempeli ( Tanzania Bergchamäleon )
Familie: Chamäleons (Chamaeleonidae)
Unterfamilie: Echte Chamaeleons (Chamaeleoninae)
Gattung: Trioceros
Untergattung:
Art: tempeli
Unterart:
Deutsche Bezeichnung: Tanzania Bergchamäleon
Trioceros tempeli
Erstbeschreiber: TORNIER, 1899
diese Art unterliegt dem Washingtoner Artenschutz-Abkommen II, Anhang B!
Erwerb und Abgabe sind daher meldepflichtig.
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Trioceros tempeli ist ein Hochlandchamäleon aus Ostafrika.
Inhaltsverzeichnis |
Allgemein
Trioceros tempeli ist in den Montanwäldern und Hochlandebenen im Süden der Republik Tansania beheimatet.
Systematik
Die Chamäleonart wurde 1899 erstmals durch den Berliner Zoologen GUSTAV TORNIER (1858-1938) beschrieben. Der Artname ist eine Widmung an seinen Freund, den Chemnitzer Obertierarzt Dr. Max Ludwig Tempel (1865-?). Ein Jahr später fügte TORNIER die aus den den Ukinga Mountains stammende Form Chamaeleo tempeli var. wolffi hinzu. Die Variante wurde aber 1933 von LOVERIDGE wieder mit der Nominatform synonymisiert. Das Synonym wolffi ist nach einem der beiden Ordensbrüder Wolff der evangelischen Mission in Tandala benannt worden. Im Jahre 1986 stellten KLAVER & BÖHME Trioceros tempeli in die Untergattung Trioceros. Im April wurde die Untergattung Trioceros von der Gattung Chamaeleo getrennt und in eine eigene Gattung gestellt (TILBURY & TOLLEY, 2009). Zur Zeit werden keine Unterarten von Trioceros tempeli unterschieden.
Aussehen
Trioceros tempeli zählt zu den mittelgroßen Chamäleonarten, einige Exemplare erreichen eine Maximallänge von 24 cm (SPAWLS et al 2002). Die größten nach Deutschland importierten Tiere hatten eine maximale Gesamtlänge von ca. 20 cm. Die Schwanzlänge beträgt nur etwas mehr als die Hälfte der Gesamtlänge. Charakteristisch für die Art ist ein V-förmiger Kehlkamm aus zwei Reihen auffällig spitzer Schuppen. Der Kopf trägt einen flachen am hinteren Ende nur leicht erhöhten Helm. Die Occipitallappen sind deutlich ausgeprägt und können beim Drohen abgespreizt und sogar heftig bewegt werden. Beide Geschlechter haben zwei kleine zapfenförmige unechte Hörner auf der Schnauzenspitze ausgebildet. Die Schnauzen- und Augenbrauengrate bestehen aus großen Tuberkelschuppen von denen zwei im Präorbitalbereich besonders hoch geraten sein können und bei einigen Exemplaren ein zweites kleines Hornpaar bilden. Spitze, leicht in ventrale Richtung geneigte Kegelschuppen aus Gruppen von je zwei bis drei bilden den Rückenkamm, der sich bis auf die erste Hälfte des Schwanzes fortsetzt. Ein Bauchkamm ist nicht vorhanden. Im Vergleich zu ihren Geschlechtspartnerinnen ist die Schwanzwurzel der Männchen deutlich ausgebildet. Die stark heterogene Körperbeschuppung zeichnet sich durch die großen Platten- und Granularschuppen auf den Flanken und Gliedmassen aus.Diese besondere Form des Kehlkammes läßt sich auch bei anderen Chamäleonarten aus Tansania finden wie etwa Trioceros incornutus (LOVERIDGE, 1932), Trioceros laterispinis (LOVERIDGE, 1932) sowie Rhampholeon (R.) spinosus (MATSCHIE 1892) und, wenn auch nur schwach angedeutet, bei Rieppeleon kerstenii (PETERS 1868). Den stattlichsten V-förmigen Kehlkamm findet sich bei Calumma capuroni (BRYGOO, BLANC & DOMERGUE 1972) aus dem südöstlichen Hochland von Madagaskar. Zusätzlich mit seinen großen Hinterhauptlappen hat diese Art große Ähnlichkeiten mit Trioceros tempeli. Die Grundfärbung der Chamäleons besteht hauptsächlich aus einem Kontrast von hellen und dunklen Brauntönen. Unter dem Rückenkamm verläuft ein schmaler Lateralstreifen aus weissen oder blassgelb bis hellbeige gefärbten Schuppen, der von einer dunklen Rautenzeichnung unterbrochen wird. Die Bauchlinie und die untere Hälfte der Flanken weisen eine ähnliche Färbung auf wie der Lateralstreifen. Die Kehle, die Schwanzunterseite sowie der Bereich hinter dem Auge sind oft weiß gefärbt. Zwischen den grossen Flankenschuppen zeichnen sich feine schwarze Linien ab. An der Kehle lässt sich die schwarze Interstitialhaut gut erkennen. Im Erregungszustand zeigen vor allem die Männchen eine blassviolette Rückenlinie und rostrote Occipitallappen.
Verbreitungsgebiet und Lebensraum
Das Vorkommen von Trioceros tempeli erstreckt sich auf fünf Gebirgstöcke im südöstlichen und südwestlichen Tansania. In den Udzungwa Mountains liegen die Fundorte im südlichen Teil den sogenannten Mufundi Highlands. Hier finden sich die Tiere in Dabaga, Mufindi (heute Kibaoni) und am Kigogo Fluss (LOVERIDGE 1933, TORNIER 1899, Frontier Tanzania 2001). In den Ukinga Mountains sind die Fundorte Bulongwa, Madehani und Tandala (LOVERIDGE 1933, TORNIER 1900) sowie Mangoto in den Ubena Mountains (LOVERIDGE 1933). SPAWLS et al (2002) geben als viertes Vorkommensgebiet die "Kipengere Range (Ubena and Ukinga Mountains)" an. Leider führen sie nicht weiter aus, ob sich die Tiere nur in den Gebirgen in Klammern finden lassen oder tatsächlich in der Kipengere Range, die sich nördlich dieser Gebiete anschließt. Das fünfte Gebiet wird mit "Ufipa" angegeben und umfaßt das horstartige Ufipa Plateau und die benachbarten Mbizi (Mbisi) Mountains (TORNIER 1902). Ein weiterer Fundort Marangu, am südöstlichen Fuß des Mount Kilimandscharo, wird bei HELLMICH (1956) angegeben. Es handelt sich um ein einzelnes Fundtier, dass bis heute nicht näher untersucht worden ist. Einen ausführlichen Bericht über die Beschaffenheit der Habitate von Trioceros tempeli, vor allem der Fauna und Flora, gibt es leider nicht. Lediglich die Erstbeschreibungen der sympatrisch vorkommenden Chamäleons sowie einige wenige Reiseberichte vermitteln einen kleinen Einblick (ANONYMUS 2003, LOVERIDGE 1932, 1933, SPAWLS et al 2002). Allen Lebensräumen gemeinsam ist die Höhenlage um 2000 m und darüber. Die vorherrschenden Vegetationsformationen sind Reste der einstigen Montanwälder und Hochgebirgsweiden mit etwas Buschland. Weite offene Grasflächen prägen das Landschaftsbild besonders auf den höheren Gipfeln der südlicheren Gebirgszügen um den Lake Malawi (LOVETT, 1994). Geschlossene Wälder finden sich dort nur noch in kleinen Tälern und Schluchten. LOVERIDGE (1933) gibt als Fundort für Trioceros tempeli niedrige Büsche und Brombeersträucher in dichtem Gras an. SPAWLS et al (2002) hingegen geben für den gesamten Lebensraum Waldgebiete zwischen 1500 – 2400 m Höhe sowie Büsche, niedrige Bäume und das Dickicht an.
Klima
Das Klima der Uzungwa Mountains wird ganz wesentlich durch den Südostmonsun von November bis Mai beeinflusst. Der jährliche Regenfall beginnt im November, mit einer ausgesprochen Hochzeit im April, und endet im Juni (WASSER 1993). In den Regionen über 1600 m fällt deutlich mehr Regen als in tiefer liegenden Zonen. Die feuchstesten Gebiete müssen mit Niederschlagsmengen von 3000 mm im Jahr rechnen (SHANGALI et al 1998). In den übrigen Höhenlagen der Uzungwas fallen durchschnittlich 1800-2000 mm Regen jährlich (RODGERS & HOMEWOOD 1982). Für das Ufipa Plateau ist eine Jahresniderschlagsmenge von 823 mm verzeichnet (Cribb & Leedal 1982).
Terrarium
Eine paarweise Haltung von Trioceros tempeli ist auf Grund des stark ausgeprägten Dominazverhaltens dieser Art nicht möglich. Die Tiere sollten einzeln in Terrarien der Größe 40*40*60cm bis 60*50*100 cm (LBH) gehalten gehalten werden. Für den erhöhten Frischluftbedarf müssen die Behälter mit großen Lüftungsflächen aus Gaze, z. B. an den Seiten oder im Deckel versehen sein. Auch Vollgazeterrarien mit einem Rahmen aus Aluprofil und festem Boden können zur Haltung dieser Art benutzt werden. Eine Reihe von kräftigen Pflanzen wie Drachenlilie (Dracaena surculosa ’Golden Dust') Efeutute (Epipremnum pinnatum), Feigenbaumarten (Ficus benjamina, F. benghalensis), Kaffeestrauch (Coffea arabica), Strahlenaralie (Schefflera arboricola), Zierspargel (Asparagus falcatus) und Zimmeresche (Rademachera sinica) bilden die Bepflanzung der Terrarien. Ausserdem sind die Becken mit Ästen in entsprechender Griffstärke ausgestattet, die den Tieren ausgezeichnete Klettermöglichkeiten und Bewegungsspielraum bieten. Die Terrarien sollten mit für die Terraristik hochwertigen Leuchtstoffröhren mit Reflektor täglich für 11 - 13 Stunden beleuchtet werden. Trioceros tempeli sucht bereitwillig lokale Wärmequellen auf, vorzugsweise in den frühen Vormittagsstunden. Als Strahler können zeitweise Halogenspots (20 W) oder kleine HQL-Leuchten (50 W) fungieren. Sie sollten aber nicht länger als 2 Stunden täglich eingesetzt werden. Für eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit sollte mindestens dreimal täglich mit einer Pflanzenspritze gesprüht werden. Bei einem Behälter oben beschriebener Größe steigt die Luftfeuchte nach dem Sprühen auf ca 90 %. Nach einiger Zeit fällt sie dann wieder auf 55 bis 60 %, nachts liegt sie um 70 %. Die Tagestemperaturen sollten im Bereich von 19-23°C, unterhalb der Wärmestrahler bis 25° C liegen. Eine Nachtabsenkung um mindestens 8° C ist für das Wohlbefinden der Hochlandchamäleons dringend erforderlich. Als Nahrung dienen den Chamäleons alle gängigen Futtertiere in entsprechender Größe wie etwa verschiedene Arten von Grillen, Heuschrecken, Schaben, Fliegen, Wachsmaden und deren Falter. Als Futtermittelzusatz empfiehlt sich ein Mineraliengemisch mit hohem Kalziumanteil. Das hohe Trinkbedürfnis decken die Tiere durch das Ablecken der täglichen Sprühfeuchte auf den Terrarienpflanzen. Zusätzlich kann ein bis zweimal wöchenlich mit der Pipette oder Injektionsspritze Wasser angeboten werden. Scheuen Tieren bietet man Trinkwasser mit einer Tropftränke an.
Fortpflanzung
Trioceros tempeli ist eine eilebendgebärende (ovovivipare) Chamäleonart. Bei SPAWLS et al (2002) wird von 15 bis 28 Jungtieren pro Wurf berichtet. In zwei verendeten graviden Weibchen konnten 16 bzw. 20 Jungtiere nachweisen werden (JÜTTNER & HILDENHAGEN, 2006). Die Paarungen fanden ausschließlich in den kühlen Haltungsmonaten Dezember bis Februar statt. In den übrigen Monaten waren die Weibchen nicht paarungsbereit. Bisher konnte kein Weibchen bis zur Geburt von lebenden Jungtieren gebracht werden. Zwei Tiere mit fast vollständig entwickelten Jungen verendeten nach 8 bzw. 9 Monaten Trächtigkeit jeweils kurz vor der Ablage. Andere Weibchen brachten trotz erfolgreicher Verpaarung nach 6 bis 12 Monaten nur Wachseier zur Welt. Die Trächtigkeitsdauer kann aus den Erfahrungswerten mit 9 bis 11 Monaten geschätzt werden. Damit stimmt sie recht gut mit den Zeiten von Trioceros incornutus (HILDENHAGEN 2004) und Trioceros fuelleborni (BÖHLE et al 2004) überein.
Literatur
ANONYMUS (2003): Investigating an ecological wonderland. - Olympus Echo 3: 4-5.
BÖHLE, A., M. GOCKEL & W. SCHMIDT (2004): Über die Haltung und Zucht des Poroto-Dreihornchamäleons, Chamaeleo (Trioceros) fuelleborni TORNIER, 1900. - Sauria, Berlin 26(4): 39-45.
CRIBB, P. J. & G. P. LEEDAL (1982): The Mountain Flowers of Southern Tanzania: A Field Guide to the Common Flowers. – A. A. Balkema, Rotterdam
FRONTIER TANZANIA (2001): New Dabaga/Ulangambi Forest Reserve - Zoological Report. DOODY, K. Z, K. M. HOWELL & E. FANNING (Eds.): Report for the Udzungwa Mountains Forest Management and Biodiversity Conservation Projekt, MEMA, Iringa, Tanzania: 1-160.
HELLMICH, W. (1956): Die von Dr. CHRISTA LINDEMANN und NINA PAVLITZKI in Tanganjika gesammelten Chamäleons. - Veröff. Zool. Staats-Samml. München, 4: 117-124.
HILDENHAGEN, T. (2004): Chamäleons die unbekannten Wesen: Vorstellung von Chamaeleo (T.) incornutus, LOVERIDGE, 1932. - CHAMAELEO, Mitteilungsblatt der AG Chamäleons in der DGHT, 29: 19-20.
JÜTTNER, P. & T. HILDENHAGEN (2006): Chamäleons die unbekannten Wesen: Vorstellung von Chamaeleo (T.) tempeli, TORNIER, 1899. - CHAMAELEO, Mitteilungsblatt der AG Chamäleons in der DGHT, 31: 19-20.
KLAVER, C. J. J. & W. BÖHME (1986): Phylogeny and classification of the Chamaeleonidae (Sauria) with special reference to hemipenis morphology. – Bonn. zool. Monogr., 22: 1-64.
LOVERIDGE, A (1932): New reptiles and amphibians from Tanganyika Territory and Kenya Clony. - Bull. Mus. comp. Zool., Harvard 72: 375-387.
- (1933): Reports on the scientific results of an expedition to the south-western highlands of Tanganyika Territory. VII Herpetology. - Bull. Mus. comp. Zool., Havard 74(7): 197-416.
LOVETT, J. C. (1994): Notes on the forest patches on Mtorwi Mountain, Southern Tanzania. - East Africa Natural History Society Bulletin 23: 52-53.
RODGERS, W. A. & K. M. HOMEWOOD (1982): Biological values and conservation prospects for the forest primate populations of the Udzungwa Mountains, Tanzania. – Biological Conservation 24: 285-304.
SHANGALI, C. F., C. K. MABULA & C. MMARI (1998): Biodiversity and human activities in the Udzungwa Mountain forests, Tanzania. I. Ethnobotanical survey in the Udzungwa Scarp Forest Reserve. – J. East Afr. Nat. Hist. 87: 291-318.
SPAWLS, S., HOWELL, K., DREWES, R. & J. ASHE (2002): A Field Guide to the Reptiles of East Afrika. - Academic Press, New York, 2. Ed.: 543 S.
TORNIER, G. (1899): Neues ĂĽber Chamaeleons. - Zool. Anz., Leipzig 22: 408-414.
TORNIER, G. (1900): Neue Liste der Crocodilen, Schildkröten und Eidechsen Deutsch-Ost-Afrikas. - Zool. Jahrb. Syst., Jena 13: 579-681.
TORNIER, G. (1902): Herpetologisch neues aus Deutsch-Ostafrika. - Zool. Jahrb. Syst. 15: 578-590.
WASSER, S. K. (1993): The socioecology of interspecific associations among the monkeys of the Mwanihana rain forest, Tanzania: a biogeographic perspective. In: LOVETT, J. C. & S. K. WASSER (Hrsg.): Biogeography and Ecology pf the Rain Forests of Eastern Africa. – Cambridge University Press: 267-280.


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